Japan 2020 – Einleitung

Im Januar/Februar 2020 durfte ich zwei Wochen im Land der aufgehenden Sonne verbringen. Und das kam so: ich habe eine Freundin aus Jugendtagen, die vor vielen Jahren einen Amerikaner geheiratet hat und in den USA lebt. Wir sehen uns also extrem selten. Sie studiert Japanologie und beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit gerade mit den Werken von Saito Mokichi, einem vielseitig interessierten Dichter, Philosophen, Psychologen, der auch einige Jahre in Deutschland gelebt hat. Mokichi hat sehr viele unterschiedliche Schriften verfasst, von denen außerhalb Japans aber fast keine bekannt sind, und auch in Japan werden immer nur die gleichen etwa zehn Stück in der Schule durchgenommen. Mokichi ist jetzt kein Goethe, aber die Generation ab 40 Jahre kann mit dem Namen durchaus was anfangen. Jünger… eher nicht mehr so.

2013 war meine Freundin bereits für ein Jahr in Japan in Yokohama, um ihre Forschung vor Ort voranzubringen (da, wie gesagt, die Primärquellen nicht wirklich außerhalb des Landes zu finden sind). Ich hätte sie schon damals sehr gern dort besucht, doch aus diversen Gründen, allen voran finanzieller Art, war mir das nicht möglich. Seit Herbst 2019 verbringt sie erneut sechs Monate in Japan, diesmal in Yamagata, und obwohl die Finanzen auch diesmal nicht gerade üppig sind (wir erinnern uns, da waren vier teure Operationen – zwar bezuschußt von lieben Familienmitgliedern, aber dennoch großes Finanzloch), wollte ich es irgendwie möglich machen, den Traum diesmal wahr werden zu lassen. Und ich konnte! 🙂

Am 26.01.2020 stieg ich abends in Nürnberg in ein Flugzeug der Turkish Airlines (macht super Essen, hat freundliches Personal, kann ich sehr empfehlen!), das mich drei Stunden später in Istanbul wieder entließ. Der Flughafen ist RIESIG. Sehr modern, glitzernd, aber lange Wege und nicht in vielen Bereichen Laufbänder. Am Ende war ich ganz froh, hier drei Stunden Aufenthalt zu haben, denn so konnte ich eine Kleinigkeit essen und vor allem trinken und die Wanderung zum Weiterflug antreten, ohne in Zeitnot zu geraten.

Der Flug aus der Türkei über Teile Syriens, den Iran und Afghanistan ließ mich kurz hoffen, daß dort niemand mit Raketen herumspielt – für ein paar Minuten war das doch eher ein unangenehmes Gefühl. Weiter ging’s dann über China, und es war… langweilig. Sehr ruhige Luft (gut für alle mit Flugangst), beim Rausschauen aber nur braunes Land und weiße Berge (oder weiße Wolken). Interessant am Rande: die Außentemperatur betrug -60 °C, und trotzdem war mein von der Sonne beschienenes Fenster richtig heiß.

Kurz vor Tokyo wurde es dunkel und das Wetter unangenehm. Den Sinkflug haben wir im Schneesturm absolviert – später erfuhr ich, daß es in und um Tokyo nur sehr selten schneit. Aber wie abgeschnitten hörte der Schneefall etwa zwei Minuten vor der Landung auf und es wurde keine Rutschpartie, wie ich insgeheim befürchtet hatte. Um 20 Uhr Ortszeit, also 12 Uhr in Deutschland, hieß es dann endlich:

Die Einreise verlief gut organisiert und zügig (wenn ich da an die USA denke… brr!): Paß scannen und Foto vom Gesicht machen lassen, vom Einreisebeamten abstempeln lassen, fertig. Für Touristen ist in Japan kein Visum notwendig. Laufband mit dem Koffer suchen. Unterwegs stand eine Wärmebildkamera, die uns im Vorbeilaufen abscannte – die Sorge vor Infektionen ist als China-Nachbar nicht ganz unbegründet, weil eben auch sehr viele chinesische Touristen ihren Urlaub in Japan verbringen. Um Corona habe ich mir übrigens während der ganzen Zeit keine Sorgen gemacht. Eher um eine Erkältung oder Influenza – Flughäfen mit vielen Menschen aus vielen Nationen sind ein idealer Infektionsort. Ist aber nichts passiert, nichtmal nen Schnupfen gabs.

Koffer vom Band gefischt, SIM-Karte im Handy aktiviert (schon in Deutschland gekauft über Japan-Experience), den nächsten Geldautomaten gesucht, meine ersten Yen abgehoben und einen kleinen Kiosk im Flughafen nach Abendessen abgesucht. Mit der SIM-Karte hatte ich für den gesamten Aufenthalt schnelles Internet, was ich allein für Google Maps oder Navitime sehr empfehlen kann. Es gibt auch freies W-Lan in Japan, ganz ähnlich wie hier in größeren Cafés, Hotels, Bahnhöfen oder Flughäfen, doch oft ist es durch die Auslastung eher langsam. Und wenn man dann mal draußen unterwegs ist und den Weg finden muß… ich fand es hilfreich 😉

Wie ich dann im Nieselregen und bei Dunkelheit mit Gepäck versucht habe, zu meinem Hotel zu finden, erzähle ich im nächsten Teil 🙂

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Psychologischer Exkurs: Wieso habe ich eigentlich Übergewicht?

Gute Frage.

Derzeit habe ich eine echt fiese Stelle in meiner Psyche zu beackern. Das wird mich sicher auch noch einige Monate beschäftigen. Zu sehr möchte ich hier nicht ins Detail gehen. Es geht grob um Selbstwert, um „gut genug sein“, um „dazugehören“. Aber noch bin ich mit meiner Psychologin am Graben, das läßt sich alles noch nicht so richtig fassen. Weiterlesen

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Schweigen im Eulennest?

Warum ist es hier so still in letzter Zeit? Weil ich viel lieber von Erfolgen schreibe als vom ewig gleichen Stillstand oder Alltagstrott. Und gefühlt gibt es da gerade seit Wochen eher Mißerfolge. Leidiges Thema: mein Gewicht. Ich weiß genau, woran es liegt, daß die Zahl auf der Waage nach oben kriecht statt nach unten – und dennoch fällt es mir extrem schwer, dagegenzusteuern und nicht mit „schaff ich doch eh nieeee!“ aufzugeben.

Tatsächlich gibt es aber auch kleinere Erfolge: ich trage schon seit Monaten keine Kompression mehr. Neulich war ich mal recht krank, da hatte ich dann für ein, zwei Tage meine Kniestrümpfe wieder an. Den Rest habe ich ausgemistet und in den Keller verfrachtet. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß auch getragene Kompri manchmal noch als Spende willkommen ist, vor allem in Ländern mit anderem Krankenkassensystem. Müßte ich mich mal mit beschäftigen…

Ein Jahr ist die erste OP nun her, und ich bin damit einfach nur glücklich. Keine tauben Stellen. Keine Schmerzen mehr (!!!). Neulich mußte ich für 24 Stunden ein Blutdruck-Meßgerät tragen, das alle 15 Minuten (nachts alle 30 Minuten) die Manschette zugezogen hat. Klar, es gibt Angenehmeres… aber es tat. nicht. wirklich. weh!

Und wenn ich jetzt noch die Psyche irgendwann in Ordnung bekomme… hach ja. Mensch braucht ja Lebensziele! 😉 Aber tatsächlich gibt es auch hier immer wieder Fortschritte. Die werden mir nur nicht so leicht bewußt. Dennoch werde ich mit Hilfe meiner Psychologin immer besser darin, ungünstige Situationen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Grillbananen sind sehr lecker, habe ich festgestellt!

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Keuschlamm, Kurkuma, Kompression, Depression

Keusch-Lamm. Määääh! Nicht Keu-Schlamm, bäääh…

Dieser Beitrag ist nicht ganz so kohärent wie sonst schonmal, sondern eher ein paar Gedanken hinnotiert. Beim nächsten Mal gibts wieder eine gescheite Überschrift und Fließtext 🙂

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Im Süden nichts Neues

Zur Zeit ist es ruhig bei mir, es gibt nicht viel zu berichten. Meine Unterschenkel pieksen immer noch. Auch die Einstichlöcher haben länger als bei allen anderen OPs zum Heilen gebraucht, ich habe sie mir sogar vereinzelt versehentlich aufgekratzt (auf der nachoperierten Pobacke, ich habs für einen Pickel gehalten). Der Lipschmerz ist jedoch weg, und ich habe auch wenig Probleme mit Wassereinlagerungen. Vereinzelt bin ich sogar schon komplett ohne Bestrumpfung unterwegs, allerdings eher an ruhigen „ich bleib zum größten Teil in der Wohnung“-Tagen. Ansonsten ziehe ich meine alten Kniestrümpfe an. Die komprimieren gar nicht mal so viel (Flachstrick von  meinem ersten Zweiteiler aus Kniestrümpfen und Caprihose von… uh, ich glaube, 2013?), doch genau ausreichend, um das Gewebe zu beruhigen. Es juckt relativ viel, und wenn ich mal stehe, insbesondere morgens nach dem Aufstehen, prickeln und kribbeln die Unterschenkel, als wären sie eingeschlafen (so diese fiesen Piekser). Doch das ist ein ganz normaler Heilungsprozeß, darum mache ich mir da gar keine Sorgen.

In zwei Wochen habe ich meinen ersten Schöffeneinsatz. Ich bin gespannt. Ansonsten tut sich nicht viel in meinem Leben, und das ist gerade auch recht gut so, ich habe ein bißchen mit der Psyche zu kämpfen bzw. zu arbeiten.

Weil ich nicht immer Lust auf einen ganzen Blogpost habe, hat es mich auch nach Instagram verschlagen. Dort gibt es gelegentlich mal ein Bildchen von mir: https://www.instagram.com/owlsmovingcastle/

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Dankbarkeit

Owl stellt sich auf eine Bühne. Sie trägt ein Glitzerkleid und ein strahlendes Lächeln, als sie vor das Mikrofon tritt: „Ich danke allen, die mich unterstützt haben! Besonders meiner Familie und meinen Freunden!“

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Zwei Wochen nach dem Finale

Die Unterschenkel-Operation ist nun zwei Wochen her, und es geht mir von Tag zu Tag besser. Aktuell tun mir die Waden nahezu gar nicht weh, und die Schienbeine… nun, die fühlen sich an, als hätte mir jemand kräftig davorgetreten. Mehrfach. Auch das An- und Ausziehen der Kompression (z. B. zum Duschen oder Lymphdrainage) tut recht weh. Aber jeden Tag wird es besser, und in ein paar Wochen ist bestimmt alles wieder gut. Wobei der Heilungsprozeß an sich noch Monate andauert. Das merke ich an den Armen sehr deutlich: die Unterarme tun immer mal wieder noch etwas weh, insbesondere wenn ich etwas kränkele oder etwas gegessen habe, was mir nicht so gut bekommt. Nicht umsonst spricht man von einem HeilJAHR. Das Gewebe wurde sehr stark beansprucht und geschädigt, das braucht seine Zeit, um wieder ganz zu werden.
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To Hell and Back (OP 4 von 4)

Meine letzte OP, die Unterschenkel, ist überstanden. Zeit für einen Bericht!

Sabaton: To Hell and Back (Youtube-Musikvideo)

Wobei ich sagen muß, diese Operation an sich war wenig schmerzhaft (ich habe nicht viel mitbekommen; danke, lieber Anästhesist!), und bisher halten sich auch die postoperativen Schmerzen noch in aushaltbaren Grenzen. So eine Hölle war es also diesmal gar nicht. Dennoch paßt das Lied sehr zu meiner Lipödem-Reise, denn insgesamt… puah. Nee, ich bin sehr, sehr, SEHR froh, daß es rum ist!
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Im Süden nichts Neues

Wenn ich hier so lange ruhig bin, dann heißt das üblicherweise, daß einfach nicht viel passiert ist, worüber es sich zu bloggen lohnt. Also alles gut 🙂

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Liposuktion und Depression

Heute mal ein Thema, das nicht so häufig angesprochen wird, und dann oft auch eher zwischen den Zeilen: die psychischen Nebenwirkungen der Liposuktionen. Nicht wissenschaftlich recherchiert, nur eigene Erfahrungen und Hörensagen! Und irgendwie bin ich jetzt doch etwas abgeschweift. Eigentlich wollte ich mehr über die generelle Nebenwirkung „postoperative Depression“ schreiben, doch heute fällt es mir nicht so leicht, die passenden Worte zu finden. Weiterlesen

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